„Überfall“ nur vorgetäuscht! ++ kein Raubüberfall im Meyerholztunnel ++ Polizei leitet Strafverfahren wegen Vortäuschen einer Straftat ein und ermittelt nun gegen das vermeintliche Opfer

Uelzen, OT Oldenstadt

Eine „Räuberpistole“ über einen Überfall, den es niemals gab, hatte ein 49-Jähriger der Polizei am 08.03.17 aufgetischt. Ermittler des Uelzener Kriminalermittlungsdienstes „legten“ dem Mann aus dem Landkreis Gifhorn „nun die Karten“ und ermitteln gegen das vermeintliche Überfallopfer wegen Vortäuschen einer Straftat nach § 145d StGB.

Der 49-Jährige hatte sich in den frühen Morgenstunden des 08.03.17 bei der Polizeidienststelle in Uelzen gemeldet und angezeigt, dass er einige Stunden zuvor, am 07.03.17, gegen 23.00 Uhr, überfallen worden sei. Der aus dem Landkreis Gifhorn stammende Mann gab an, dass er sich auf dem Weg von der Lindenstraße in Richtung Oldenstadt befunden habe. In der Unterführung Meyerholztunnel soll ihm eine unbekannte Frau eine Warnung zugerufen haben, die ihn veranlasste sich umzudrehen. Unmittelbar danach erhielt der 49-Jährige nach eigenen Angaben einen Schlag in den Rücken und stürzte zu Boden. Die (Phantom-)Täter nahmen dann die von dem 49-Jährigen mitgeführte Sporttasche sowie ein Smartphone an sich und liefen damit in Richtung Oldenstadt davon (siehe auch Pressemitteilung v. 08.03.17).

Die Uelzener Ermittler stellten bei den weiteren Ermittlungen verschiedene Ungereimten bei den Darstellungen und objektiven Befunden des vermeintlichen Raubs fest, so dass der 49-Jährigen bei einer zweiten Vernehmung einräumte die Tat nur vortäuscht zu haben. Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann die Abend- und Nachtstunden in einer Uelzener Kneipe verlebt hatte, dort viel Alkohol konsumierte und in der Folge das vermeintliches Diebesgut (sein Smartphone) an einem Gast verkauft hatte, um seine Rechnung zu bezahlen. Parallel vermummelte der 49-Jährige auch seine Sporttasche …

Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet.

Hintergrund § 145d – Vortäuschen einer Straftat

(1) Wer wider besseres Wissen einer Behörde oder einer zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle vortäuscht, 1. daß eine rechtswidrige Tat begangen worden sei oder 2. daß die Verwirklichung einer der in § 126 Abs. 1 genannten rechtswidrigen Taten bevorstehe, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 164, § 258 oder § 258a mit Strafe bedroht ist.

(2) Ebenso wird bestraft, wer wider besseres Wissen eine der in Absatz 1 bezeichneten Stellen über den Beteiligten 1. an einer rechtswidrigen Tat oder 2. an einer bevorstehenden, in § 126 Abs. 1 genannten rechtswidrigen Tat zu täuschen sucht.

(3) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer 1. eine Tat nach Absatz 1 Nr. 1 oder Absatz 2 Nr. 1 begeht oder 2. wider besseres Wissen einer der in Absatz 1 bezeichneten Stellen vortäuscht, dass die Verwirklichung einer der in § 46b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 dieses Gesetzes oder in § 31 Satz 1 Nr. 2 des Betäubungsmittelgesetzes genannten rechtswidrigen Taten bevorstehe, oder 3. wider besseres Wissen eine dieser Stellen über den Beteiligten an einer bevorstehenden Tat nach Nummer 2 zu täuschen sucht, um eine Strafmilderung oder ein Absehen von Strafe nach § 46b dieses Gesetzes oder § 31 des Betäubungsmittelgesetzes zu erlangen.

(4) In minder schweren Fällen des Absatzes 3 ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.