Pendler sein – der tägliche Kampf um die Einstiegstür (Ein Kommentar)

Jeden Tag kann man den „Kampf um die Einstiegstür“ an Eisenbahnwagen bewundern. Besonders schlimm sind hier die Züge, in denen besonders viele Pendler unterwegs sind – zwei Beispiele dafür sind der Metronom um 16:56 Uhr nach Uelzen oder 17:06 Uhr nach Cuxhaven. Beide Züge sind jeden Tag sehr voll und deshalb beginnt bereits bei der Ankunft des Zuges ein wahrer Kampf um die Vorherrschaft an der Tür. Die Pendler die schon seit Jahren fahren, positionieren sich bereits auf dem Bahnsteig dort wo normalerweise die gewünschte Tür zum halten kommt, unerfahrene müssen sich dann anstellen; kann man auch gut beobachten wenn der Zug mal abweichend verkehrt.

Doch warum das alles? Tja, so ganz genau sagen konnte mir das keiner der Fahrgäste die ich neulich gefragt habe. Nein ganz im Gegenteil, ich wurde sogar sehr unfreundlich darauf hingewiesen, dass man jetzt einsteigen wolle und nicht irgendwelche Fragen beantworten. Ich stellte also schon mal fest: Anstellen und auf den Zug warten verursacht Stress bei den Reisenden. Doch was ich jeden Tag mit einem Lächeln beobachten kann, ist das Kinder für solche Fälle eine bessere Erziehung besitzen als es manch volljähriger Reisender tut. Denn die Reisenden, völlig egal ob Pendler und Gelegenheitsfahrer, stellen sich bei der Einfahrt direkt vor die Tür und sobald sich die Tür öffnet, strömen sie in das Innere des Wagens – der alte Kampf um den Besitz, in diesem Fall eines Sitzplatzes. Doch was scheinbar den Leuten immer wieder aus dem Gehirn gelöscht wird, ist das sich im inneren der Wagen ja auch Reisende aufhalten die nach draußen wollen und das nicht oder nur schwer können. Und so geht die Schieberei an der Tür weiter, inklusive Veränderung der Machtverhältnisse und Positionen.

Was kann man aber anders machen? Das ist recht simpel. Es wäre schon mal sehr zu begrüßen wenn sich vor den Türen richtige Schlangen bilden und nicht ein Haufen orientierungsloser Menschen sammeln würde. Dann könnten von drinnen alle aussteigen und hätten Platz und wenn der Letzte raus ist, kann man gepflegt wieder einsteigen – ohne Drängeln. Und dann sollte man sich helfen, die ältere Dame die den Spalt zwischen Fahrzeug und Bahnsteig nicht mal eben „überspringen“ kann braucht halt einen Moment. Doch was hindert die lieben Mitreisenden denn daran mal eben zu helfen und eine freundliche Hand zu reichen. Ich vermute das Ego und die Hoffnung auf einen Sitzplatz… Ah ja, der Sitzplatz. Liebe Pendler, gerade ihr kennt die Ausweichzüge der Nahverkehrsunternehmen und wisst das diese häufig nur wenige Minuten nach den regulären Zügen verkehren, warum nutzt ihr sie nicht? Der Metronom um 17:06 Uhr in Richtung Cuxhaven hat sogar eine überfüllte 1. Klasse, während um 17:39 Uhr nur sehr wenige Reisende mitfahren. Und da erfahrungsgemäß viele in Buxtehude und Horneburg aussteigen wäre dies doch die perfekte Abwechslung für euch – und stressfrei. Und was mir in den letzten Monaten auch aufgefallen ist, ist das die Freundlichkeit zwischen den Fahrgästen in diesen Pendlerzügen erheblich sinkt, alle wollen zwar nur noch nach Hause (was man nach 9 Stunden Arbeit verstehen kann…), doch ändert das nichts daran, das jeder Mitreisende noch immer ein Mensch ist. Und was bringt zum Beispiel das Anmoppern eines älteren Herrn, der etwas lauter spricht? Gar nichts, da der Herr bei genauerem hinsehen nämlich ein Hörgerät trägt und sehr wahrscheinlich schlecht hört und darum lauter ist. Oder warum werden immer wieder die Zugbegleiter so blöde angemacht, weil sie ihren Job ausüben? Fahrkartenkontrolle gehört nun mal zu den Aufgaben, egal ob morgens um 5 Uhr oder abends um 18 Uhr. Wer meckert denn in einem Supermarkt rum, dass die Kassieren wieder an der Kasse sitzt und Geld für den Einkauf haben will?

Und liebe Gelegenheitsfahrer: Tun sie mir einen Gefallen und passen sie vor dem Homo Sapiens Pendlerus auf. Es handelt sich dabei um eine Sorte Mensch, die seit circa 45 Jahren auf der Erde lebt und sich gegenüber anderen Reisenden äußert merkwürdig verhält. Es soll sogar schon männliche Exemplare gegeben haben die sich mit Regenschirmspitzen, bösen Blicken und unmenschlichen Kommentaren ihren Weg ins Innere der rollenden Höhle verschafft haben. Die Weibchen gehen meistens etwas dezenter vor und schauen nur böse, reden mit anderen Weibchen über diese Frechheit und drängeln sich dann vorbei, sobald der normale Reisende kurz abgelenkt ist.

Pendler sein könnte so entspannend sein, wenn man nicht jeden Tag gefangen wäre in diesem Kampf um die Türen und Sitzplätze. Und nein, die DB, Metronom, Nordbahn, Nord-Ostsee-Bahn oder wie sie alle heißen kann mal nicht eben Wagen anhängen. Zum einen kostet ein solcher Wagen auch Geld und zum anderen sind manchmal die Bahnsteige einfach nicht lang genug. Und wer möchte schon gerne einen Sitzplatz haben, aber jeden Tag im Dreck aussteigen?